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Was Krebs-Screenings bringen – Darm, Brust, Lunge und Prostata
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Was Krebs-Screenings bringen – Darm, Brust, Lunge und Prostata

Früher ist nicht immer besser – Teil 2

Diesen Beitrag zitieren:
Nößler D, Sauerland S, Scherer M. Was Krebs-Screenings bringen – Darm, Brust, Lunge und Prostata. EvidenzUpdate 2026;8:204. doi: 10.69156/POD.001/2026.08.00204

Guten Tag! Nachdem wir in der letzten Episode besprochen haben, warum man Jahrzehnte und Hunderttausende Probanden braucht bzw. was die Alternativen und ihre Grenzen sind, um einen möglichen Nutzen von Krebs-Screenings zu ermitteln, wird es heute konkreter.

Zum Beispiel zur Frage, ob eine Koloskopie zur Darmkrebs-Früherkennung schon vor dem 50. Lebensjahr sinnvoll wäre. Hier wird das Problem aus Teil 11 unserer Doppelfolge plastisch, denn zu der Frage gibt es keine relevante und auswertbare Studie. Das IQWiG aber sollte genau diese Frage für den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beantworten: Also haben die Kölner für die Berliner gerechnet. Und zwar in einem interessanten Modell, das so weit geht, dass es fragt, was passiert wenn alle mitmachen, jede und jeder zur Abklärung erscheint und alle brav auch beim nächsten Intervall wieder am Start sind.

Der Spoiler kommt dieses Mal direkt vom G-BA. Der hat vergangenen Donnerstag (20. August) entschieden, die Altersgrenze bei der Darmkrebs-Früherkennung nicht auf unter 50 Jahre auszuweiten.2 Weil: Keine belastbare Evidenz. Und das IQWiG-Modell ist trotzdem spannend, also besprechen wir es.

Im zweiten Teil unserer Doppel-Folge nehmen wir uns neben der Koloskopie auch die Mammografie, das Lungen-CT und den brandneuen Vorbericht zur Prostata-Ca-Früherkennung vor. Wir machen kurze Ausflüge ins wunderschöne Empfehlungsdelta zwischen Leitlinien und Nutzenbewertungen (immer eine Reise wert!) und nach Wien (auch schön dort!). (Aufgezeichnet haben wir auch diese Episode am 29. Juni 2026.)

Plus für alle hier, die Zusammenfassung unseres Gesprächs und die vollständige, kommentierte Literatur.
Das Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode:

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Zur richtigen „Früherkennung“ der Hörstellen gibt es wieder Kapitelmarken:

00:00:00 Intro
00:01:11 Zusammenfassung von Teil 1
00:02:46 Was Modellierungen können – am Beispiel Darmkrebs
00:10:37 Mit HTA anders umgehen?
00:18:02 Brustkrebs: Wie kam es zum Anhaltspunkt?
00:25:46 Lungenkrebs: Wie kam es zum Hinweis?
00:33:15 Prostatakrebs: Was bringt die MRT?
00:40:27 Und nun? Müssen wir jetzt streiten?
00:48:12 Gesellschaftliche Erwartungen

Unser Gespräch in Kürze

Zur Darmkrebs-Screening-Frage des G-BA (Schon vor dem 50.? Andere Intervalle?) noch einmal knapp Stefan Sauerland zur Antwort des IQWiG: „Da gab es nichts zu finden.“ Präzise: nichts Verwertbares.

Elf systematische Übersichten wurden gesichtet, aus dem Nottingham Trial (zum FOB-Test) lagen sogar Daten für ab 45-Jährige vor.3 Nur: Nichts davon half bei der Fragestellung. Die einzige Studie, die die Frage berühren könnte, ist eine thailändische Untersuchung zum iFOBT bei 45- bis 74-Jährigen, nur von ihr ist bis dato nichts veröffentlicht, ihr Registereintrag seit 2016 nicht mehr aktualisiert. Für Personen unter 50 Jahren ohne spezifisch erhöhtes Risiko liegt damit kein Anhaltspunkt für einen Nutzen vor.

Also hat das IQWiG modelliert.4 Kein neues Modell, sondern ein vorhandenes, in dem die Übergänge zwischen Krankheitszuständen schon hinterlegt sind. Kalibriert wurde gegen die Stadienverteilung deutscher Krebsregister, verankert an den Effekten der großen nordeuropäischen RCT.

Auf Seite V im IQWiG-Bericht steht der Satz, an dem sich alles entscheidet: Das Modell unterstellt eine Teilnahme- und Adhärenzwahrscheinlichkeit von 100 Prozent. Das ist ein Laborsetting und kein Montagmorgen in der Praxis. Teilnahme ist sozial nicht zufällig verteilt, und wer am meisten profitieren würde, wird oftmals bekanntlich am schlechtesten erreicht.

Das IQWiG-Ergebnis im Kern: Mehr suchen findet mehr, aber jede zusätzliche Untersuchung findet weniger als die vorige. Irgendwann wird der Grenznutzen minimal. Wo genau, das verrät der Bericht nicht, denn die Festlegung eines Schwellenwerts sei eine Werteentscheidung, die andere treffen müssten.

Bewerten und Entscheiden, getrennt

Karl Lauterbach, einst Bundesgesundheitsminister, hat kurz vor der Aufzeichnung unserer Episoden auf die Zusammensetzung im G-BA-Plenum hingewiesen:5 Die Marktteilnehmer (im G-BA also Krankenkassen, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Deutsche Krankenhausgesellschaft) begleiteten die Prozesse nicht nur, sie stimmten am Ende auch ab.

Wäre es da nicht klüger, wenn diejenigen, die die Evidenz bewerten, gleich einen Empfehlungskorridor mitliefern?

Antwort in unserem Gespräch: nein. Die eine Frage lautet, was wir mit welcher Sicherheit wissen; die andere muss Ressourcen, Umsetzbarkeit, Fairness und politische Prioritäten mitdenken. Und laut Stefan Sauerland folgt der G-BA in etwa 90 Prozent der Fälle dem vorigen IQWiG-Fazit. Wenn der G-BA abweicht, muss er das ausdrücklich begründen (in seinen Tragenden Gründen zu den Beschlüssen).

Mammografie: der kleinste aller Anhaltspunkte

Gehen wir eine Etage weiter nach oben, zur weiblichen Brust und der Brustkrebs-Früherkennung im Mammografie-Screening-Programm (MSP). Auch dafür hat das IQWiG im G-BA-Auftrag nach dem Nutzen einer Ausweitung der unteren Altersgrenzen geschaut. Bei den 45- bis 49-jährigen Frauen steht am Ende der IQWiG-Bewertung ein „Anhaltspunkt für einen Nutzen“.67 Das ist die schwächste Stufe auf der IQWiG-Dreierskala hinter Beleg und Hinweis. Daneben steht eine absolute Risikoreduktion von rund 0,5 pro 1.000 Gescreente, also eine Number Needed to Screen (NNS) von rund 2.000, samt mit knapp verfehlter Signifikanz. Daneben stehen hunderte unnötige invasive Abklärungen, Operationen, Überdiagnosen.

Sauerlands Erklärung hat zwei Teile:

  1. Mortalität ist der führende Endpunkt. Aus einer Studie ließen sich zwei Analysezeitpunkte auswerten, einmal nicht signifikant, einmal signifikant. Daraus wurde ein abgeschwächter Vorteil.

  2. Die Schadensdaten stammen zum Teil aus Studien der 1980er Jahre, und bei der Abklärungsdiagnostik habe es seither erhebliche Verbesserungen gegeben. Wichtig ist ihm der Hinweis im IQWiG-Bericht, dass angesichts des sehr kleinen Mortalitätsvorteils eine individuelle Risikobetrachtung und Aufklärung unerlässlich sei.

Bleibt die Frage, die wir nicht auflösen: Warum wird aus einem Anhaltspunkt so verlässlich ein Programm wie das MSP? Das G-BA-Verfahren zur Erweiterung der unteren Altersgrenze läuft jedenfalls noch. Womöglich im Oktober könnte das Plenum eine Entscheidung treffen.8

Lungen-CT: zwei Endpunkte, ein Hinweis

Wir bleiben auf Thoraxhöhe und schauen etwas tiefer, in die Lungenkrebs-Früherkennung mittels Low-Dose-CT bei (ehemals) starken Rauchern. Bei der Gesamtmortalität sieht das IQWiG keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen, das Konfidenzintervall überschreitet die Eins.91011 Zusammen mit der lungenkrebsspezifischen Mortalität wird daraus ein „Hinweis auf einen Nutzen beim Endpunkt Mortalität“. Wie geht das?

Sauerlands Antwort ist ohne Girlande und schließt an Teil 1 unseres Gesprächs an: Wollte man einen Unterschied in der Gesamtsterblichkeit zeigen, bräuchte man gigantisch große Studien, weil alle übrigen Todesursachen in beiden Gruppen gleich verteilt sind.

Es gibt Stimmen, die daraus folgern, für kein Krebs-Screening könne je eine Senkung der Gesamtsterblichkeit nachgewiesen werden. Eine bekannte Arbeit veranschlagte dafür Millionenkohorten.12 Dieses Prinzip so durchzuziehen hält das IQWiG nicht für angemessen. Die Bedingung: Der Effekt muss sich in der Gesamtmortalität zumindest andeutungsweise abbilden. Spräche sie dagegen, wäre es schwierig.

Zwei Practice Pointer

Erstens: Wer beim Lungenkrebs-Screening davor bewahrt wird, am Lungenkrebs zu sterben, trägt weiterhin ein erhöhtes Risiko, an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben. Der krebsspezifische Effekt verdünnt sich also nicht nur, er schrumpft. In der Beratung gehören beide Endpunkte auf den Tisch, nicht nur der schönere.

Zweitens: Viele Patientinnen und Patienten glauben, sie senkten ihr Risiko durch die Teilnahme. Das CT allein hat noch niemanden gesünder gemacht. Und der mögliche Nutzen entsteht im Ausgangsrisiko. Verwässert man die Einschlussgrenze, sammelt man vor allem Zufallsbefunde.

Dazu Sauerland zur oberen Altersgrenze, die regelmäßig als Altersdiskriminierung missverstanden wird: In sehr hohem Alter oder bei erheblicher Komorbidität lohnt Früherkennung nicht mehr, weil man den Vorteil schlicht nicht mehr wird erleben können.

Prostata: Eine Abkürzung, die nicht taugt

Wenige Tage vor unserer Aufnahme ist der IQWiG-Vorbericht zum risikoadaptierten PSA- und MRT-Screening erschienen.13 Erst letztes Jahr wurde die entsprechende Leitlinie geändert, die wir seinerzeit besprochen hatten.14 Der jetzige IQWiG-Befund: Für das neue Konzept – erst PSA, dann MRT – gibt es bislang keine aussagekräftigen Langzeitdaten. Die MRT reduziert tatsächlich Biopsien und deren Komplikationen. Und die „insignifikanten“ Karzinome, die man belassen will, haben ein geringes Mortalitätsrisiko. Aber, so Sauerland, „2 Prozent ist nicht null“.

Ein Ausflug ins schöne Empfehlungsdelta

Die Leitlinienautoren verglichen MRT plus PSA gegen PSA allein. In Deutschland ist als Kassenleistung bislang aber nur die digital-rektale Untersuchung vorgesehen, zu der sich laut Sauerland „rein gar nichts“ fand. Der indirekte Schluss, PSA allein sei vielleicht schlechter als nichts, mit MRT werde es so viel besser, dass es besser als nichts sei, trägt nicht. Als Abkürzung einmal um die Ecke gehüpft, und die Landung dennoch fehlt.

Was tun mit dem Empfehlungsdelta? Die Leitlinie sagt, wie man in unsicherer Lage risikoärmer handelt; das IQWiG prüft, ob der Nutzen eines bevölkerungsweiten Programms belegt ist. Das sei kein Widerspruch, sondern eine Spannung. Und Fragen des individuellen Settings sollte man nicht mit Entscheidungen auf Bevölkerungsebene vermengen, wie es andernorts teils vorgeschlagen wird.15 Warten müssen wir trotzdem: Göteborg-2 liefert Mortalitätsdaten womöglich Ende 2027, ProScreen eventuell bis 2033.

Ein Ausflug ins noch schönere Wien

Österreich plant ein organisiertes, bevölkerungsweites PSA-Screening ab 50, samt Einladung durch die Kasse.16 Zeitgleich kommt das österreichische HTA-Institut zu demselben Schluss wie das IQWiG: Die Evidenz für so etwas reicht (noch) nicht.17 Im ORF-Bericht legt der Wiener Chefurologe noch nach und spricht von einer „Halbierung der Sterblichkeit“ und davon, es sei „nicht nur besser, sondern auch kostengünstiger“. Gegenüber was, bleibt offen bzw. sein Geheimnis.

Unser Vorschlag zur Güte: Man könne das auch als vergleichende Studie sehen. Österreich gegen Deutschland, und dann schaue man, wer weiterkommt. Die WM ist ja Geschichte und das Wunder die Schmach von Córdoba erst Recht.

Fazit: Jedes Screening schadet, immer noch

Michael Bretthauers bekannte Metaanalyse randomisierter Studien fand für die gängigen Krebs-Screenings keinen signifikanten Gewinn an Lebenszeit, mit einer Ausnahme: der Sigmoidoskopie mit 110 Tagen.18 Die 23-Jahres-Daten der NORCCAP-Studie, die wir als Quickie besprochen hatten, schärfen das Bild noch einmal geschlechtsspezifisch.1920

Und trotzdem der Screening-Sog durch den Zeitgeist: Früherkennung verspricht Aktivität. Wir tun etwas, bevor es schlimm wird. Niemand möchte sich später sagen lassen, man hätte doch früher etwas (dagegen) tun können. Die evidenzbasierte Medizin muss dann die unbeliebte Rolle übernehmen. Für manche ist das zynisch, für andere schlicht solidarisch, weil sie Gesunde vor unnötiger Medizin schützt.

Sauerland hält es mit unserem Stammzitatgeber Muir Gray: Jedes Screening schadet, und nur manche nützen vielleicht (!) auch (!).

Und weil man es nicht oft genug wiederholen kann: Die beste Krebsprävention findet nicht im MRT oder CT statt, sondern bei Tabak, Alkohol, Arbeitsschutz, sozialer Ungleichheit, dem Verbrenneraus. Weniger glamourös als ein neuer Bluttest, klar. Aber näher an der Ursache. Krebsprävention fängt in der Trafik an, indem man vorbeigeht und nicht hinein.

Schöne Woche!

Literatur

1

Nößler D, Sauerland S, Scherer M. Wie man herausfindet, ob Screenings wirklich nützen: Früher ist nicht immer besser – Teil 1. EvidenzUpdate 2026;7(203). doi: 10.69156/POD.001/2026.08.00203

→ In Teil 1 unserer Doppelfolge haben wir vor allem über die Methodik und die Grenzen von Surrogaten gesprochen.

2

G-BA: Keine belastbare Evidenz für Ausweitung der organisierten Darmkrebs-Früherkennung auf jüngere Personen mit familiärem Risiko. Gemeinsamer Bundesausschuss. 2026. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1349/ (accessed 20 Aug 2026).

→ Die G-BA-Mitteilung zum Beschluss, der auf dem von uns besprochenen IQWiG-Bericht fußt.

3

Scholefield JH, Moss SM, Mangham CM, et al. Nottingham trial of faecal occult blood testing for colorectal cancer: a 20-year follow-up. Gut 2012;61(7):1036–40. doi: 10.1136/gutjnl-2011-300774

→ Die jüngste Nottingham-Auswertung (mit FOB-Test zum Screening) inklusive ab 45-Jähriger, die im IQWiG-Bericht berücksichtigt wurde.

4

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Überprüfung der unteren Altersgrenze und Frequenz der Früherkennungskoloskopie im Darmkrebs-Screeningprogramm; Abschlussbericht. 2026. doi: 10.60584/s24-02

→ Der IQWiG-Bericht, um die es geht, samt der Modellierung und auf Seite V der Satz: 100 Prozent Teilnahme und Adhärenz im Referenzfall. Wer nur eine Zahl will, nimmt am besten diese: Auf der Schaden-Nutzen-Grenze kostet bei Frauen die vierte Koloskopie 128 zusätzliche Untersuchungen je zusätzlich vermiedenem Darmkrebsfall, die zweite 20.

5

Augustin B. Gesundheitspolitik: Wer entscheidet, was die Krankenkasse zahlt? Deutschlandfunk. 2026. https://www.deutschlandfunk.de/medikamente-co-wer-entscheidet-was-die-krankenkasse-zahlt-100.html (accessed 26 June 2026).

→ Karl Lauterbach, Miterfinder des G-BA, spricht in dem DLF-Hintergrund über Marktteilnehmer, die die Prozesse nicht nur begleiten, sondern auch abstimmen.

6

Nößler D, Scherer M. Brustkrebs-Screening: Mini-Nutzen ziemlich teuer erkauft. EvidenzUpdate 2026;7(167). doi: 10.69156/pod.001/2026.01.00167

→ Unsere Podcast-Episode, in der wir uns die Zähne ausgebissen haben und derentwegen wir Stefan Sauerland eingeladen haben.

7

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Abschlussbericht S21-01: Überprüfung der Altersgrenzen im Mammografie-Screening-Programm. 2022. https://www.iqwig.de/download/s21-01_altersgrenzen-im-mammografie-screening-programm_abschlussbericht_v1-1.pdf

→ In diesem IQWiG-Bericht steht die Größe für die Frage, wie klein ein Anhaltspunkt sein darf. Absolute Risikoreduktion rund 0,5 pro 1000, Number Needed to Screen um 2.000, Signifikanz knapp verfehlt, zusätzlich die Abklärungen und Überdiagnosen. Sauerlands Erklärung, warum daraus dennoch ein Anhaltspunkt wurde, ist der methodisch lehrreichste Teil dieser Episode.

8

Gemeinsamer Bundesausschuss. Einleitung eines Beratungsverfahrens: Erweiterung der unteren Altersgrenze im Mammographie-Screening und weitere Änderungen. 2026. https://www.g-ba.de/beschluesse/7796/ (accessed 16 April 2026)

→ Was aus dem Anhaltspunkt wird, während wir darüber reden, werden wir sehen.

9

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-Computertomografie; Rapid Report. Published Online First: 19 June 2024. doi: 10.60584/s23-02_v1.1

10

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-Computertomografie; Abschlussbericht. Published Online First: 19 October 2020. https://www.iqwig.de/download/s19-02_lungenkrebsscreening-mittels-low-dose-ct_abschlussbericht_v1-0.pdf

→ Zwei IQWiG-Berichte, ein methodisches Fragezeichen: kein Anhaltspunkt bei der Gesamtmortalität, ein Hinweis auf Nutzen, wenn man sie mit der krebsspezifischen Mortalität zusammen betrachtet. Die Begründung dafür, warum das hier zulässig ist und bspw. bei der Arzneimittelbewertung nicht, liefert Sauerland im Gespräch.

11

Nößler D, Chenot J-F, Scherer M. Lungenkrebs-Früherkennung: Was bringt das Low-Dose-CT wirklich? EvidenzUpdate 2026;7(166). doi: 10.69156/pod.001/2026.01.00166

→ Unsere ausführliche Fassung desselben Themas, mit Jean-François Chenot.

12

Prasad V, Lenzer J, Newman DH. Why cancer screening has never been shown to „save lives" – and what we can do about it. BMJ 2016;352:h6080. doi: 10.1136/bmj.h6080

→ Die Gegenrechnung zu Sauerlands Zugeständnis: Wer eine Senkung der Gesamtmortalität durch Krebsfrüherkennung nachweisen will, braucht Studien in einer Größenordnung, die praktisch niemand finanziert. Stefan Sauerland kennt das Argument und hält es dennoch nicht für angemessen, das Prinzip so durchzuziehen.

13

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Risikoadaptiertes PSA- und MRT-Screening zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms; Vorbericht. 2026. https://www.iqwig.de/download/s25-02_risikoadaptiertes-psa-und-mrt-screening_vorbericht_v1-0.pdf

→ Der Anlass für diesen Teil der Episode, wenige Tage vor der Aufnahme erschienen. Nutzen nicht belegt, Potenzial ja; die MRT reduziert Biopsien; die „insignifikanten“ Karzinome haben ein Mortalitätsrisiko, das klein ist, aber eben nicht null.

14

Nößler D, Kötter T, Scherer M. Kurswechsel in der Prostata: Finger weg von der DRU – und Fragen beim PSA. EvidenzUpdate 2025;6(141). doi: 10.69156/pod.001/2025.07.00141

→ Der Stand vom Sommer 2025, als die S3-Leitlinie aktualisiert wurde und die digital-rektale Untersuchung herausflog.

15

Albers P, Carlsson S, Krilaviciute A, Seibold P, Becker N. The proposed introduction of a prostate cancer screening program in Germany: Procedure, necessary studies before implementation, benefits, and risks. Dtsch Arztebl Int 2026. doi: 10.3238/arztebl.m2026.0040

→ Die andere Seite des Empfehlungsdeltas, vier Wochen vor dem Vorbericht erschienen: derselbe Peter Albers, den wir im Gespräch als bemerkenswert zurückhaltend beschreiben, benennt hier Voraussetzungen und Risiken eines deutschen Programms und skizziert trotzdem einen Weg dorthin. Beides zu lesen lohnt sich, weil man dann sieht, dass die Differenz keine des Wissensstands ist, sondern eine der Fragestellung.

16

ÖGK plant Prostatakrebs-Screening. ORF Wien 2026. https://wien.orf.at/stories/3359401/ (accessed 26 June 2026)

→ Die Meldung, um die es im Wien-Exkurs geht, samt der Fundstelle für die „Halbierung der Sterblichkeit“. Wichtig, weil Sauerland uns im Gespräch korrigiert: eingeführt ist noch nichts, es gibt die Absicht.

17

Giess D, Mayer-Ferbas J. PSA-basiertes Screening zur Früherkennung von Prostatakarzinomen. VU Fact Sheet Published Online First: 18 November 2025;(01). https://eprints.aihta.at/1590/

→ Die Gegenrechnung aus demselben Land, ein halbes Jahr älter. Das österreichische HTA-Institut kommt zum selben Schluss wie das IQWiG. Wer wissen will, wie weit Evidenzlage und Ankündigungspolitik auseinanderliegen können, lese beides an einem Nachmittag.

18

Bretthauer M, Wieszczy P, Løberg M, et al. Estimated Lifetime Gained With Cancer Screening Tests: A Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. JAMA Intern Med 2023;183(11):1196–203. doi: 10.1001/jamainternmed.2023.3798

→ Der Bezugspunkt für das gesamte Gespräch: Über 2,1 Millionen Eingeschlossene, sechs Screeningverfahren, und nur eines mit signifikantem Lebenszeitgewinn: die Sigmoidoskopie mit 110 Tagen. Die Koloskopie kommt auf 37 Tage, das Konfidenzintervall reicht von -146 bis 146.

19

Botteri E, Holme Ø, Løberg M, et al. Twenty-Three-Year Benefits of Sigmoidoscopy Screening for Colorectal Cancer: A Randomized Trial. Ann Intern Med 2026;179(6):804–11. doi: 10.7326/ANNALS-25-05456

→ Die Korrektur an der eigenen Erwartung: Nach 23 Jahren senkte die einmalige Sigmoidoskopie die Darmkrebssterblichkeit nur bei Männern. Zusammen mit den geschlechtsspezifischen Ergebnissen der IQWiG-Modellierung eine unbequeme Erinnerung daran, dass Deutschland die Geschlechterunterschiede im Darmkrebsscreening erst kürzlich abgeschafft hat.

20

Nößler D. Von distalen Därmen und distalen Gefäßen – Evidenz-Quickies KW 19. EvidenzUpdate 2026;7(18). doi: 10.69156/quick/2026.05.00018

→ Unsere Auseinandersetzung mit den 23-Jahres-Daten, damals noch im Schnelldurchlauf.

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