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Nößler D, Scherer M. Was Batman mit Blutdruck und Bullshit zu tun hat. EvidenzUpdate 2026;7:202. doi: 10.69156/POD.001/2026.08.00202
Gude! Es gibt Studien, deren wichtigste Zahl gar nicht in der Studie steht. Wir knöpfen uns heute eine vor, die zeigen wollte, was die neue amerikanische Hypertonie-Leitlinie in der Bevölkerung anrichtet. Dafür vergleicht sie Menschen, die Blutdrucksenker nehmen, mit Menschen, die keine nehmen. Und dann steht in der Tabelle, dass beide Gruppen exakt denselben Blutdruck haben.
Verrückt? Spoiler: Finden wir schon. Es kommt aber schlimmer: Die Arbeit rechnet 200.000 angeblich gerettete Leben vor, verrechnet sich dabei mit den Toten – und alle acht Autoren geben keine Interessenkonflikte an. Wir haben nachgesehen.
Was das alles mit Batman zu tun hat, mit Carsten Linnemann und Tino Sorge, besprechen wir ebenfalls. Unten gibt es das Evidenz-Quickie zur Studie und auch eine kleine Analyse, ob weniger Krankenkassen etwas bringen würden. (Aufgezeichnet haben wir am 28. Juli 2026.)
Hier noch als kleiner Lektüretipp das Büchlein von Barbara Bleisch, Kirsten Meyer, Stefan Riedener, Dominic Roser, Christian Seidel: Besser um die Zukunft streiten.
Plus für alle hier, die Zusammenfassung unseres Gesprächs und die vollständige, kommentierte Literatur.
Das Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode:Schreibt uns (auch Sprachnachricht) via SMS (+49-158-886-414-80), WhatsApp, Telegram, Instagram, Facebook oder E-Mail (podcast@evidenzupdate.de).
Wer die Episode mit Hochdruck hören will, nutzt am besten die Kapitelmarken:
00:00:00 Intro
00:02:30 Carsten Linnemann
00:05:12 Tino Sorge
00:06:00 Was wir erwarten können
00:10:18 Batman und Schwangere
00:14:19 Die Hypertonie-Analyse
00:16:19 Vergessene COI
00:18:39 Ein gesundheitspolitischer Paukenschlag
00:22:12 Kleine „Rundungsfehler“
00:23:54 Selber Blutdruck, weniger Tod
00:27:59 Ein Wettermodell mit Regenschirmen
00:31:30 Mit Toten verrechnet
00:36:16 Das multiple LehrstückUnser Gespräch in Kürze
📮 Gibt es Evidenz für die Wirksamkeit eines Ministers?
Carsten Linnemann ist neuer Bundesgesundheitsminister. Eine Hörerin fragt, ob es Evidenz gibt, dass er für den Job geeignet ist. PubMed-Treffer: null. Nutzenbewertung: keine. Und historische Kontrollen helfen nicht weiter: Hermann Gröhe war vor seinem Amt nicht als Fachmann aufgefallen, arbeitete den Koalitionsvertrag staubtrocken ab und stellte nebenbei den Kontrahierungszwang in der HZV wieder her.1 Politische Methodik schlägt fachliche Vorbelastung.
Bewertbar ist etwas anderes: ob die Begründung einer Maßnahme zu den Daten passt. Dazu ein Lesetipp frisch aus Science: Christopher Cotton schlägt „Policy Evidence Readiness Levels“ vor.2 Der Witz daran: Nicht die Methodenqualität der Einzelstudie wird klassifiziert, sondern die Reife des Gesamtbestands. Eine tadellose Studie kann null politische Tragfähigkeit haben.
Beispiel Tele-AU: Linnemann hatte deren Sinn öffentlich infrage gestellt,3 Schwarz-Rot will sie abschaffen,4 wir haben das bereits kritisch gewürdigt.5 Nur machen Tele- und Video-AU laut Zi und Barmer 0,8 bis 1,6 % aller Krankschreibungen aus, der Anstieg seit der Pandemie ist ein eAU-Einführungseffekt.6 Das WIdO kommt für 2024 zum selben Befund.7 Das Narrativ wird von den Daten nicht gestützt. Genau das ist unsere Messlatte für die nächsten hundert Tage.
Beispiel Krankenkassen: Linnemann forderte im April, die Zahl auf 10 bis 20 zu reduzieren.8 Die Vorstellung, damit auch nur eines der relevanten Probleme zu lösen, ist gelinde gesagt absurd. Zudem
machen die Vorstandsgehälter gerade einmal 0,06 ‰ der GKV-Ausgaben aus (knapp 20 Mio. EUR p.a.),
wäre Personalabbau mit teuren Abfindungen verbunden,
brächte einzig eine Bundeskasse einen Effekt, dann ließe sich der Morbi-RSA abschaffen samt seiner Kodieranreize und Fehlallokationen,
könnte genau das ein Innovationshemmnis werden, weil der Selektivvertragswettbewerb wegfiele, ohne den es womöglich nie eine HZV und Facharztverträge gegeben hätte.
Ein kurzer Ausflug in die Kassen-Debatte
Das Experiment Kassenreduktion findet außerdem längst statt. 2003 gab es 324 gesetzliche Kassen, heute sind es 93 (weitere Fusionen stehen bereits an, am 1.1.2027 sollen es weitere 4 bis 5 weniger sein). Von 2003 bis 2024 gab es einen Rückgang um 71 %. Wenn weniger Kassen weniger Verwaltung bedeuten, muss man es in diesen einundzwanzig Jahren sehen. Oder?
Man sieht es aber nicht. Preisbereinigt liegen die Netto-Verwaltungskosten 2024 bei 102 % des Wertes von 2003, während die Kassenzahl auf 29 % gefallen ist. Immerhin: Die Zahl der Beschäftigten je Versicherten ist gesunken.
Gegen die Zeitreihe lässt sich einwenden, die Kosten wären ohne Fusionen vielleicht noch stärker gestiegen. Die Vermutung kann man freilich nicht widerlegen, aber es hilft eine andere Betrachtung: Wenn Größe Kosten sparen würde, müssten große Kassen heute billiger arbeiten als kleine. Der folgende Blick umfasst alle 92 Kassen, die für 2024 einen Rechnungslegungsbericht veröffentlicht haben (und damit 99,2 % aller gesetzlich Versicherten).
Ja, es gibt einen Skaleneffekt, aber nur ganz unten. Die fünf Kassen mit weniger als 10.000 Versicherten liegen bei 203 Euro je Versichertem gegenüber 169 Euro im Schnitt. Nur wie relevant ist das, wenn diese teuren Kassen zusammen 26.918 Menschen versichern, gerade einmal 0,04 % der GKV?! Und der Effekt wird beeinflusst von den sehr heterogen aufgestellten betriebsbezogenen BKKen. Nimmt man sie raus, ändert sich das Bild. Man kann auch sagen: Der Skaleneffekt greift nur bis 50.000 Versicherte, danach verschwindet die Signifikanz.
Zwischen der günstigsten und der teuersten Krankenkasse liegen 193 Euro je Versichertem im Jahr. Diese Unterschiede sind real und erklärungsbedürftig. Nur erklärt die Größe sie nicht: Sie kommt auf ein Bestimmtheitsmaß von 0,011, also 1 %. Was die Verwaltungskosten tatsächlich treibt, zeigt eine Regression, die Größe, Krankheitslast und Kassenart gleichzeitig betrachtet.
Will heißen: In der Diskussion über die Kassenanzahl, die manchmal einer Neiddebatte gleicht, wären belastbare Rechnungen und Modellierungen über die zu erwartenden Effekte angezeigt. Andernfalls bleibt sie einfach nur: hohl.
Aber zurück zur eigentlichen Episode. Sorry.
🦇 Der Batman-Effekt
Eine Fun-Studie, die Martin Scherer mitgebracht hat: Feldexperiment in der Mailänder U-Bahn, eine junge Frau mit künstlichem Schwangerschaftsbauch steigt in eine volle Bahn ein. In der Experimentalbedingung steigt zeitgleich an einer anderen Tür ein Mann im Batman-Kostüm zu. Ergebnis: deutlich mehr angebotene Sitzplätze. Die Autoren leiten daraus eine prosoziale Wirkung unerwarteter Ereignisse ab.9
Wir müssen Spielverderber spielen. Nicht randomisiert, zwei verschiedene Schwangere, 61 gegen 77 Beobachtungen – und diese Gruppengrößen stehen so erst seit der Korrektur, vorher waren es 68 und 70.10 Vor allem aber: 44 % (14 von 32) derjenigen, die in der Batman-Bedingung ihren Platz angeboten haben, gaben an, Batman gar nicht gesehen zu haben. Wer nicht Ursache sein kann, ist keine. Die Autoren vermuten eine „sozial übertragene Aufmerksamkeitsverschiebung“.
Und damit der Übergang: In beiden Arbeiten dieser Episode wird ein Effekt einer Ursache zugeschrieben, die ihn nachweislich nicht vermittelt haben kann. Bei Batman ist das charmant. Ab hier wird es teuer.
🩺 Breitbeinig im Titel
Unsere eigentliche Arbeit: eine NHANES-Auswertung, erschienen am 29. Juli im Journal of the American Heart Association11 über die Bevölkerungswirkung der AHA/ACC-Hypertonie-Leitlinie vom August 2025.12 Die Botschaft: Fast jeder dritte US-Erwachsene mit Hypertonie sei „neu therapieberechtigt“, zwei von fünf blieben unbehandelt, behandelte man alle, ließen sich in zehn Jahren über 200.000 Todesfälle verhindern.
Vom Setup her toll: NHANES verknüpft mit dem Sterberegister. Nur wird daraus kein Vorher-nachher-Vergleich zur alten Leitlinie, sondern eine Assoziation zwischen Therapie und Sterblichkeit, hochgerechnet unter der Annahme, sie sei vollständig kausal und setze sich 1:1 fort. Man darf aus Beobachtungsdaten Modelle bauen. Man darf aus einem „geht miteinander einher“ kein „wird dadurch verursacht“ machen und das dann skalieren.
🔍 145 gegen 145
Die Zahl, wegen der wir diese Episode gemacht haben: Behandelte und Unbehandelte haben denselben systolischen Blutdruck. 145 mmHg. Beide. Trotzdem sollen 23 % der Todesfälle und die Hälfte der kardiovaskulären vermieden werden?! Zur Kalibrierung: Bei Ettehad entsprechen 10 mmHg Senkung etwa 13 % relativ weniger Gesamtmortalität.13 Es existiert hier keine Differenz, die den Effekt vermitteln könnte.
Wenn eine Intervention die Zielgröße nachweislich nicht beeinflusst, wohl aber das Outcome, schreit das nach Confounding: Die Therapie ist nicht Ursache, sondern Marker, und zwar für ein ganzes Versorgungspaket. Healthy-User-Bias, Versorgungszugang. Das Rezept ist der Beleg, dass jemand im System angekommen ist. Genau diese Nicht-Austauschbarkeit zu Baseline soll eine Randomisierung verhindern.
Adjustiert wurde allein für PREVENT.14 Problem: Der Score enthält als Eingangsvariable die Einnahme von Antihypertensiva und Lipidsenkern. Man adjustiert also für eine Kovariate, die die Exposition mitführt – als wollte man prüfen, ob ein Regenschirm vor Nässe schützt, und im Wettermodell steckt schon drin, wer einen Schirm bekommt.
Wer hier behandelt wird, ist der Kränkere und stirbt trotzdem seltener. Dann hat man nicht die Wirkung eines Medikaments gemessen, sondern den Unterschied zwischen zwei Gruppen Mensch.
🧮 Wenn die Teilmenge größer ist als die Obermenge
Die 200.000 klingen wie ein Messergebnis, sind aber der Mittelpunkt einer sehr breiten Schätzung, deren Ränder in der Conclusio fehlen. Und dann die Rechenfehler, einer davon so grundsätzlich, dass es keinen Biometriker braucht: Die Arbeit weist nach einem Jahr mehr verhinderte kardiovaskuläre Todesfälle aus als verhinderte Todesfälle insgesamt. Das ist so, als gäbe es 10 Millionen Fußballfans und 20 Millionen Bayern-Fans. Spätestens hier hätte ein Peer Reviewer die Hand heben können. Müssen.
Und es fehlt das Kontrafaktum: „Newly eligible“ ohne Vergleich zur alten Leitlinie ist Prävalenz, nicht Veränderung. Die von den Autoren selbst zitierte Literatur zeigt sogar, dass PREVENT die Therapieberechtigung eher verengt.151617
🇺🇸 2,5 statt 22,8 Millionen
Kazem Rahimi aus Oxford hat in Hypertension vorgerechnet, dass die AHA-Systematik die meisten Menschen von der formalen Risikoabschätzung gar nicht erfasst.18 Wer über 140/90 mmHg liegt oder Diabetes, Nierenkrankheit oder eine kardiovaskuläre Vorerkrankung hat, gilt automatisch als hochriskant. Übrig bleiben nach seiner Schätzung etwa 2,5 Millionen, die tatsächlich neu zur sofortigen Pharmakotherapie kämen. Das ist konsistent mit Europa, wo unter den (umstrittenen) ESC-Kriterien 1 bis 4 % betroffen wären. Die Größenordnung dessen, was wirklich „neu“ ist, liegt also eher bei 2,5 als bei 22,8 Millionen. Das wäre die Pointe gewesen.
🇩🇪 Was sich ab morgen in der Sprechstunde ändert
Nichts. Tschüss. Cliffhanger. Auf Wiederhören.
Die untersuchte Population liegt mit 145 mmHg oberhalb aller strittigen Schwellen. Der Zielwertstreit beginnt erst zwischen 130 und 139 mmHg bei erhöhtem Risiko. Das ist der Korridor, den auch die NVL Hypertonie adressiert (Hypertonie ab 140/90, individualisierter Zielkorridor 120/70 bis 160/90).19 Hinzu kommt: Die Therapieberechtigung beruht auf einer einzigen Praxismessung statt auf ABDM-Bestätigung; die Falldefinition stützt sich auf Selbstauskunft, es fehlen also ausgerechnet die neu Betroffenen, die nichts davon wissen; und PREVENT ist ein US-Modell für Gesamt-CVD inklusive Herzinsuffizienz, dessen 7,5 % weder mit arriba noch mit SCORE2 vergleichbar sind.
Wer den Schwellenstreit nachlesen will: ESC-Leitlinie 202420 und die Replik von Kjeldsen und Kollegen,21 die die Behandlung des „elevated BP“-Bereichs für unzureichend belegt und für ein Übertherapie-Risiko halten. Die NVL steht dieser Position näher.
💸 „Sources of Funding: None“
Alle acht Autorinnen und Autoren geben bei Funding und Disclosure „None“ an. Wir haben nachrecherchiert und kommen zu einem anderen Ergebnis.22 Wer bei wem unter Vertrag steht und warum ausgerechnet der Diskussionsteil GLP-1-Rezeptoragonisten bewirbt: im Quickie. Die grundsätzliche Frage geht an alle Herausgeber: Prüft solche Angaben eigentlich jemand? Hier offensichtlich nicht.
🎯 Practice Pointer
Was die Arbeit belegt, ist unstrittig und banal: Menschen mit deutlich erhöhtem Blutdruck und hohem Risiko ohne jede Therapie schneiden schlechter ab. Das ist eine Erinnerung ans Case-Finding, kein Argument für niedrigere Zielwerte. Wer dieses Paper im Zielwertstreit als Munition benutzt, hat es nicht gelesen. Leitlinienautorinnen und -autoren, denen sie vorgelegt wird: zitieren ja, aber mit Methodenkritik, Evidenzlevel und einer Begründung, warum sie die Empfehlungsebene nicht erreicht. Was ein Editor-in-Chief mit der Einreichung machen sollte: ablehnen. Und die kardiologischen Freundinnen und Freunde: keine Politik damit.
Denn die eigentliche Lehre (oder Leere?) dieser Arbeit ist, dass sie weniger eine Blutdruckstudie ist als Ausdruck eines Kulturstreits. Die eine Sicht: Prävention entsteht, indem wir Risiken immer früher identifizieren und behandeln. Die andere: Die größeren Gewinne entstehen durch Lebensbedingungen, Bewegung, Ernährung, Bildung, Teilhabe und kluge Gesundheitspolitik.
Man braucht beides. Aber man darf fragen, wie viel Energie in immer neue Risikogruppen fließt, während über Verhältnisprävention wenig gesprochen wird. Grenzwerte runter, Medizin aufblasen? Diese Gießkanne bekommt zu viel Aufmerksamkeit.
Evidenz-Quickie zu Al‐Jarshawi et al.
Im Quickie dieser Episode:
Warum die 200.000 verhinderten Todesfälle rechnerisch unmöglich sind, und zwar schon nach einem Jahr.
Welche Zahl in Tabelle 2 nicht zur Subgruppenrechnung der Autoren passt.
Was drei der acht Autoren an anderer Stelle offenlegen und im Paper nicht.
Drei Grafiken, in denen man die Widersprüche mit einem Blick sieht.
Schönes Wochenende!
Literatur, kommentiert
Nößler D, Jörres V. Was uns Schwarz-Rot hinterlässt. Der Hausarzt 2017;(14):28–32. www.hausaerztlichepraxis.digital/politik/was-uns-schwarz-rot-hinterlaesst-22676.html
→ Die Bilanz der Ära Gröhe, inklusive Wiederherstellung des Kontrahierungszwangs in der HZV.
Cotton C. Rigor is not readiness: The PERL framework for evidence-based policy. Science 2026;393(6810):463–5. doi: 10.1126/science.aef3529
→ Der wichtigste Lesetipp dieser Episode für Berlin: Methodische Strenge einer Einzelstudie und politische Tragfähigkeit einer Evidenzbasis sind zwei verschiedene Dinge. Genau daran scheitert die heute besprochene Arbeit.
Kiefer F. „Keine Ahnung von Lebensrealität arbeitender Menschen“: Linnemanns Angriff auf telefonische Krankschreibung sorgt für Empörung. Tagesspiegel. 2025. https://www.tagesspiegel.de/politik/keine-ahnung-von-lebensrealitat-arbeitender-menschen-linnemanns-angriff-auf-telefonische-krankschreibung-sorgt-fur-emporung-14212904.html (accessed 27 July 2026).
→ Der Ausgangspunkt: Was der neue Minister zur Tele-AU gesagt hat.
Bundesregierung. Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung. Ergebnisse des Koalitionsausschusses. 2026. https://www.bundeskanzler.de/resource/blob/1832584/2445592/bc8e5e160d879f0bdd593121a96a45d2/2026-07-02-koaausschuss-data.pdf?download=1 (accessed 2 July 2026).
→ Die Beschlusslage: Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden.
Nößler D, Voigt K, Maun A, et al. Paris kann warten, in Berlin läuft jetzt: Zurück in die Vergangenheit. EvidenzUpdate 2026;7(195). doi: 10.69156/pod.001/2026.07.00195
→ Unsere Würdigung von Endnote 4 zu viert, aufgezeichnet in Paris.
Mangiapane S. Hat die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu einem Anstieg der Krankschreibungen geführt? Ein Faktencheck auf der Basis von Abrechnungsdaten. In: Gesundheitswesen aktuell. 2025. 34–52. doi: 10.30433/gwa2025-34
→ Der Faktencheck auf Abrechnungsdaten: 0,8 bis 1,6 % aller AU. Der Anstieg seit der Pandemie ist ein eAU-Einführungseffekt.
AOK Bayern. Krankenstand 2025 leicht rückläufig. 2026. https://www.aok.de/pp/fileadmin/bereiche/bayern/Pressemitteilung/2026/15_AOK_Bayern_Krankenstand_2025_leicht_ruecklaeufig.pdf (accessed 27 July 2026).
→ Die WIdO-Auswertung für 2024, unabhängig zum selben Befund.
Forster J, Schäfer JW. Um Kosten zu sparen: Nur große Krankenkassen sollen überleben. BILD. 2026. https://www.bild.de/politik/inland/um-kosten-zu-sparen-nur-grosse-krankenkassen-sollen-ueberleben-69f0c48a622ae392e46e1c4f (accessed 28 July 2026).
→ Der Kontext zur Forderung Linnemanns nach 10 bis 20 Kassen.
Pagnini F, Grosso F, Cavalera C, et al. Unexpected events and prosocial behavior: the Batman effect. npj Ment Heal Res 2025;4(1):57. doi: 10.1038/s44184-025-00171-5
→ Die Originalarbeit. 380.000 Abrufe, ein Lehrstück über Verbreitung statt Validität.
Pagnini F, Grosso F, Cavalera C, et al. Author Correction: Unexpected events and prosocial behavior: the Batman effect. npj Ment Heal Res 2026;5(1):29. doi: 10.1038/s44184-026-00223-4
→ Die Korrektur: Aus 68 und 70 Beobachtungen wurden 61 und 77.
Al‐jarshawi M, Bangalore S, Wijeysundera HC, et al. Population‐Level 10‐Year Implications of the New 2025 American Heart Association/American College of Cardiology Hypertension Guideline Recommendations for Primary Prevention in the United States: A NHANES‐Based Cohort Study (2009–2018). J Am Hear Assoc 2026;e048616. doi: 10.1161/jaha.125.048616
→ Die Arbeit, um die es geht. Unsere vollständige Nachrechnung im Evidenz-Quickie.
Writing Committee Members*, Jones DW, Ferdinand KC, et al. 2025 AHA/ACC/AANP/AAPA/ABC/ACCP/ACPM/AGS/AMA/ASPC/NMA/PCNA/SGIM Guideline for the Prevention, Detection, Evaluation and Management of High Blood Pressure in Adults: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Joint Committee on Clinical Practice Guidelines. Hypertension 2025;82(10):e212–316. doi: 10.1161/hyp.0000000000000249
→ Die Leitlinie selbst, deren Bevölkerungswirkung modelliert werden sollte.
Ettehad D, Emdin CA, Kiran A, et al. Blood pressure lowering for prevention of cardiovascular disease and death: a systematic review and meta-analysis. Lancet 2016;387(10022):957–67. doi: 10.1016/s0140-6736(15)01225-8
→ Die Kalibrierungsgröße: 10 mmHg systolische Senkung entsprechen relativ etwa 13 % weniger Gesamtmortalität. Wer keine Blutdruckdifferenz hat, kann keine 23 % erklären.
Khan SS, Matsushita K, Sang Y, et al. Development and Validation of the American Heart Association’s PREVENT Equations. Circulation 2024;149(6):430–49. doi: 10.1161/circulationaha.123.067626
→ Hier nachlesen, dass Antihypertensiva und Lipidsenker Eingangsvariablen des Scores sind. Das ist der Regenschirm im Wettermodell.
Diao JA, Shi I, Murthy VL, et al. Projected Changes in Statin and Antihypertensive Therapy Eligibility With the AHA PREVENT Cardiovascular Risk Equations. JAMA 2024;332(12):989–1000. doi: 10.1001/jama.2024.12537
→ Die erste von drei Arbeiten, die die Autoren selbst zitieren, und die gegen ihre eigene These sprechen.
Drexler Y, Yang E, Mesa RA, et al. Population Impact of Using the PREVENT Equations to Guide the Management of Stage 1 Hypertension in the United States. J Am Hear Assoc: Cardiovasc Cerebrovasc Dis 2025;14(5):e038915. doi: 10.1161/jaha.124.038915
→ Zweite: PREVENT verengt die Therapieberechtigung gegenüber den Pooled Cohort Equations eher, als dass es sie ausweitet.
Muntner P, Jaeger BC, Foti K, et al. Predicted Cardiovascular Risk by the PREVENT Equations in US Adults With Stage 1 Hypertension. Hypertension 2024;81(9):1976–85. doi: 10.1161/hypertensionaha.124.22998
→ Dritte, von den Autoren selbst zitierte Arbeit zur Zerstörung der eigenen Arbeit; gleiche Richtung.
Rahimi K, Nazarzadeh M, Rodgers A. Advancing Risk-Based Approaches in Blood Pressure Management: Reflections on the 2025 AHA/ACC Statement. Hypertension 2025;82(11):1794–8. doi: 10.1161/hypertensionaha.125.25564
→ Die Gegenrechnung, ein Jahr älter: Tatsächlich neu zur sofortigen Pharmakotherapie kämen rund 2,5 Millionen US-Erwachsene, nicht 22,8 Millionen.
Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0. AWMF-Register-Nr nvl-009 Published Online First: 29 June 2023. doi: 10.6101/azq/000502
→ Die hiesige Referenz: Hypertonie ab 140/90, individualisierter Zielkorridor 120/70 bis 160/90, Bestätigung vorzugsweise per ABDM. Gültig bis Juni 2028.
McEvoy JW, McCarthy CP, Bruno RM, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Hear J 2024;45(38):3912–4018. doi: 10.1093/eurheartj/ehae178
→ Die sogenannte Leitlinie (eher Konsensuspapier), die die Kategorie „elevated BP“ auch in Europa eingeführt hat.
Kjeldsen SE, Brunström M, Burnier M, et al. Management of ‘Elevated’ blood pressure according to the 2024 European Society of Cardiology Guidelines: lack of supportive evidence and high risk of excessive treatment. Blood Press 2025;34(1):2480608. doi: 10.1080/08037051.2025.2480608
→ Die Replik der Europäischen Hochdruckgesellschaft. Die deutsche NVL steht dieser Position deutlich näher als der ESC.
Mamas MA, Bays H, Li R, et al. Tirzepatide compared with semaglutide and 10-year cardiovascular disease risk reduction in obesity: post-hoc analysis of the SURMOUNT-5 trial. Eur Heart J Open 2025;5(5):oeaf117. doi: 10.1093/ehjopen/oeaf117
→ Die Eli-Lilly-finanzierte Analyse, auf die sich der Diskussionsteil der besprochenen Arbeit stützt. Erstautor ist deren Letztautor; von acht Autoren sind sechs Lilly-Beschäftigte und -Anteilseigner. Details im Quickie.















