Bonjour, mesdames et messieurs! Hier kommt nun Teil 4 von Tag 2 beim WONCA Europe in Paris. Eine Hörerin hat uns per SMS gebeten, beim Kongress herauszufinden, wie die französischen Kolleginnen und Kollegen mit Schwangerschaftsabbrüchen umgehen. Zufällig lief am 2. Kongresstag, um 15 Uhr eine Session des CMG dazu. Also rein, zuhören, obwohl das Hochgeschwindigkeitsfranzösisch selbst die KI-Übersetzung aussteigen ließ. Und wir hoffen inständig, alles korrekt zu zitieren.
Plus für alle hier: die Zusammenfassung unseres Gesprächs.
Das Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode, nämlich das mit viel Liebe von einem Menschen handgemachte Transkript, liefern wir die Tage hinter, ebenso wie den DOI.Noch der Paris-Disclaimer: Diese Episoden sind echte Quick-Takes. Deswegen gibt es keine Kapitelmarken. Bitte verzeiht auch, wenn der Sound nicht ganz optimal ist und nicht jedes Ähm oder jede merkwürdige Dopplung eliminiert ist.
Das neue Plus: Ab sofort könnt ihr uns via SMS erreichen und direkt eure Gedanken senden: +49-158-886-414-80. Via Telegram sind wir auch schon erreichbar. Dort freuen wir uns gerne auch über Sprachmemos. An WhatsApp und Co arbeiten wir.
Und via E-Mail geht es nach wie vor auch: podcast@evidenzupdate.de
Unser Gespräch in Kürze
🎤 Wenn das mal kein Zufall ist
Die neue SMS-Nummer (siehe oben) wirkt: Eine Hörerin wollte wissen, wie Frankreich mit Abruptiones umgeht. Die französische Fachgesellschaft CMG hatte für 15 Uhr eine Session zu genau diesem Thema. Also Comfortzone verlassen: kein Fränglisch diesmal, sondern strammes, rasantes Französisch, an dem die Auto-Übersetzung schlicht scheiterte. Rettung: rudimentär-fließende PJ-Französischkenntnisse aus alten Pariser Zeiten.
🇫🇷 Das französische Vorgehen
Hintergrund: 2020 beauftragte das französische Gesundheitsministerium die HAS (Haute Autorité de Santé) zusammen mit der Arzneimittelbehörde ANSM, die Empfehlungen zum medikamentösen Abbruch zu überarbeiten.1 Ziel: den Zugang erleichtern, den Zeitraum bis zur 9. SSW absichern, die Durchführung zunehmend in die Hände von Hausärztinnen und Hebammen verlagern.2
In Deutschland gäbe es womöglich erst einmal den Spezialisten-Diskurs („Wer ist eigentlich für die Gebärmutter zuständig?“) samt ethischer Portfolio-Debatte. Aber darum ging es hier nicht.
Rahmen der französischen Empfehlung: Durchführung bis zur 9. SSW überwiegend ambulant durch speziell geschultes Personal, mit telefonischer Erreichbarkeit; außerhalb von Einrichtungen (also zu Hause) nur, wenn keine soziale Isolation besteht und die Betroffene am Einnahmetag nicht allein ist. Nach der 9. SSW wird ausschließlich chirurgisch abgebrochen. Auffällig: Die Betroffenenperspektive wurde sehr hoch gehängt, ebenso der Wunsch nach interprofessioneller Begleitung.
Ein Abbruch ist in Frankreich bis zur 14. SSW Schwangerschaft möglich, also 16 Wochen nach letzter Periode; Deutschland in der S2k-Leitlinie behandelt den Abbruch bis 12/0 SSW post conceptionem.
🇩🇪 Blick nach Hause
Klingt vertraut. Und das ist es auch: Deutschland hat seit 2022/23 ja eine eigene, noch relativ frische S2k-Leitlinie „Schwangerschaftsabbruch im ersten Trimenon“.3 Mifepriston und Misoprostol sind hierzulande verfügbar, der medikamentöse Abbruch bis zum Ende der 9. SSW (63 Tage nach Beginn der letzten Menstruation) möglich.
In Deutschland standen 2023 rund 106.000 Abbrüche etwa 700.000 Lebendgeburten gegenüber4, eine Rate um rund 6 pro 1.000 Frauen. In Frankreich liegt die Rate bei etwa 17 pro 1.000 Frauen (ca. 250.000 Abbrüchen bei rund 680.000 Lebendgeburten). Das Thema hat in Frankreich also ein deutlich höheres Gewicht.
🔬 Die Medikamentenschemata
Zur Einordnung die im Vortrag bzw. in den Leitlinien beschriebenen Schemata. Cave: Das ist ausdrücklich keine Anwendungsanleitung, vor Einsatz stets die gültige Leitlinie, Fachinfo et al. konsultieren:
Frankreich (HAS), < 7 SSW: Mifepriston 600 mg oral, nach 24–48 h Misoprostol 400 µg oral.
Frankreich (HAS), 7.–9. SSW: Mifepriston 200 mg oral, nach 24–48 h Misoprostol 800 µg – bukkal oder sublingual. Die vaginale Misoprostol-Gabe wird nicht mehr empfohlen (rein oral/transmukosal).
Deutschland (S2k): 200 mg Mifepriston, nach 24–48 h 800 µg Misoprostol (sublingual, bukkal oder vaginal) bis zum Ende der 9. SSW.
Kurz: Die Strategien sind vereinfacht und einander sehr ähnlich.
🔮 Cliffhanger
Ein Vorschlag fürs Netzwerken: Für eine DEGAM-Jahrestagung ließe sich eine deutsch-französische Session denken, um über Ländergrenzen hinweg Erfahrungen auszutauschen. Pourquoi pas. Und ansonsten: Rekord aufgestellt (vier Episoden an einem Tag). Nachher geht es weiter mit Tag 3 (in dem wir schon sind).
Literatur
Haute Autorité de Santé (HAS). Interruption volontaire de grossesse par méthode médicamenteuse – Mise à jour. Recommandation de bonne pratique. Saint-Denis: HAS; April 2021. https://www.has-sante.fr/jcms/p_3223429/fr/interruption-volontaire-de-grossesse-par-methode-medicamenteuse-mise-a-jour
Ministère de la Santé et de la Prévention. Interruption volontaire de grossesse (IVG) Dossier-guide 2024. https://ivg.gouv.fr/sites/ivg/files/2024-04/guide%20IVG%202024_0.pdf (accessed 1 Jul 2026).
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). S2k-Leitlinie Schwangerschaftsabbruch im 1. Trimenon, AWMF-Registernummer 015-094, Version 1.0. 2023. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-094 (accessed 1 Jul 2026).
Statistisches Bundesamt (Destatis). 2,2 % mehr Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2023. April 2024. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_164_233.html













