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In eigener Sache: Unsere Unabhängigkeitserklärung
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In eigener Sache: Unsere Unabhängigkeitserklärung

Warum wir im Moment still sind, was das mit Chicago und einem Umzug zu tun hat

Diesen Beitrag zitieren:
Nößler D, Scherer M. In eigener Sache: Unsere Unabhängigkeitserklärung. EvidenzUpdate 2026;7:208. doi: 10.69156/POD.001/2026.11.00208

Hallo! Ja, es gibt uns noch! Einige Wochen kam von uns kein Ton. Von euch kam parallel der Wunsch nach einem festen Zyklus. Und bei uns lagen längst fertige Folgen „in der Schublade“. Woran hat’s gelegen? Haben wir etwa keine Lust mehr? Spoiler: Im Gegenteil.

Woran die Dürre, die Stille, die De-facto-Pause liegt, das erklären wir in dieser Episode heute. Keine Studie, keine Metaanalyse, keine NNT, sondern eine Folge in eigener Sache: was passiert ist, was sich ändert. Und nebenbei ein Einblick in den Maschinenraum: Was hinter einer Episode steckt und wer das ermöglicht. (Aufgezeichnet haben wir übrigens am 26. Oktober 2026.)

Plus für alle Unterstützer, die Zusammenfassung unseres Gesprächs und:

Schreibt uns (auch Sprachnachricht) via SMS (+49-158-886-414-80), WhatsApp, Telegram, Instagram, Facebook oder E-Mail (podcast@evidenzupdate.de).

Und wer Zeitdruck hat, nutzt am besten die Kapitelmarken:

00:00:00 Intro
00:01:46 Hörerpost
00:03:50 21. September – und dann kam Göttingen
00:05:58 Böse Überraschung
00:14:01 Unsere Entscheidung
00:20:20 Ein Blick hinter den Podcast

Unser Gespräch in Kürze

Weltreise-Abos und fester Turnus

Zunächst zwei Zuschriften: Ein hörendes Paar ist gerade auf Weltreise. Vor der Abreise haben die beiden sämtliche Abos gekündigt, um zu sehen, was man wirklich braucht. Übrig geblieben sind drei: eins für Musik, eins für eine KI, die u. a. Speisekarten übersetzt, und das EvidenzUpdate. Ein schöneres Kompliment können wir uns kaum vorstellen. Grüße gehen raus, wo auch immer ihr gerade seid.

Die zweite Zuschrift kam einen Tag vor der Aufnahme dieser Episode: Ein Stammhörer wünscht sich einen festen Turnus, „so steigt die Vorfreude dann noch ein bisschen mehr“. Er hat recht: Wir wünschen uns das auch. Und bis Sommer hat das auch fast immer geklappt mit dem Wochenzyklus.

Nur manchmal kommt zum Unglück auch noch Pech dazu, eine böse Überraschung (oder gleich zwei oder drei) aus heiterem Himmel.

Warum wir (woanders hin) „gehen“

Als wir uns vor über einem Jahr mit dem EvidenzUpdate selbstständig gemacht haben, brauchten wir aus dem Stand eine Plattform. Fündig wurden wir für evidenzupdate.de bei Substack, einer Plattform für Blogs, Newsletter und Podcasts, ähnlich wie Steady, Ghost, beehiiv, Medium oder Patreon. Auch Blogs, die wir selbst gern lesen, etwa Sensible Medicine, sind dort zu Hause.

Das Gute: Substack ist für Autoren (vulgo „Creator“, wie wir uns aber nicht nennen würden) kostenlos und bringt alles mit, was man so braucht: Newsletter, Podcast, Abonnentenverwaltung, Bezahlabos, alles out of the box.

Die Kehrseite: Auf die Regeln, wie die Plattform arbeitet, haben wir wenig Einfluss, manches funktioniert einfach nicht, und manche von euch berichten von Fehlermeldungen und Hin-und-her-Geschiebe. Neben vielen guten Blogs tummeln sich dort außerdem, sagen wir, „interessante“ Autoren. Und: Es ist ein US-Anbieter, der bekanntlich anderen Rechtsvorschriften und Rechtsideen unterliegt, als wir es in Europa gewohnt sind.

Der „Knall“ nach Göttingen

Der eigentliche Anlass kam vor einigen Wochen, genau genommen direkt nach Göttingen: Substack hat angekündigt, ab dem 1. Dezember die Steuern (für uns v. a. USt.) auf die Abos selbst einzuziehen. Damit würde es aber die „Geschäftsbeziehung“ zu unseren Abonnentinnen und Abonnenten übernehmen. Bislang ist euer Vertragspartner die Evidence Now Media, das Unternehmen hinter dem EvidenzUpdate, das uns beiden gehört. Ab Dezember wäre es einfach so Substack. Ein Opt-out wird uns nicht angeboten. Die Umsatzsteuer führen wir selbstverständlich ab, aber eben selbst, mit eigener Buchhaltung. Und was nach der Umstellung bei uns ankäme, wissen wir im Moment gar nicht.

Das hier ist eine Zweierbeziehung zwischen euch und uns, keine Dreiecksbeziehung mit einem Dienstleister, der macht, was er will, und eben mal so die Rechnungsstellung an sich zieht.

Deswegen haben wir eine Entscheidung getroffen, eine Entscheidung, die so viel Zeitressourcen konsumiert, dass es für neue Podcast-Episoden gerade arg dünn wird: Wir bauen eine eigene Plattform, und zwar so rasch es geht.

Chicago nicht zu zweit

Der Preis dafür: Eigentlich wollten wir gemeinsam vom AHA-Kongress der American Heart Association in Chicago berichten, fünf Tage, jeden Tag eine Folge. Flüge gebucht, Apartment reserviert, Pressebadge und Kongressticket in der Tasche. Daraus wird nun nichts, der Professor fährt allein.

Hören und lesen

Wir sind als Podcast gestartet und bleiben einer; die meisten Zugriffe kommen über Apple, Spotify und die übrigen Podcatcher. Aber viele lesen lieber, als zu hören, und einen DOI vorzulesen, damit jemand ihn abtippt, finden wir doof. Deshalb haben wir evidenzupdate.de als Textwelt und Archiv aufgebaut: Zusammenfassungen, Transkripte, Grafiken, Quellen.

Dazu kommt ein Teil unseres Publikums aus Körperschaften und Politik, der uns nicht nur hört, sondern im Pressespiegel liest, über unsere Transkripte und Zusammenfassungen, die solche Pressespiegel-Dienste lizenzieren können. Für diesen Zugang und für ein paar sehr konkrete Projekte, die wir vorhaben, brauchen wir eine Plattform, die das alles möglich macht und, vor allem, die wir selbst verantworten.

Die One-and-a-half-Man-Show

Wie viel Arbeit steckt in einer Folge? Mit allem Drumherum könnten wir mindestens anderthalb Vollzeitstellen mit Arbeit versorgen. Eine beispielhafte Rechnung: Diese Folge ohne Literatur (als Baseline) hat gut eine halbe Stunde Aufzeichnung plus Vorgespräch. Eine normale Folge mit einer Studie samt Appendix und Editorial kostet einen halben Tag fürs Lesen und Verstehen, ein bis zwei Tage für Recherche, Vorbereitung und Dramaturgie, vier bis sechs Stunden Schnitt je Stunde Rohmaterial.

Dann kommt das Peer Review, das wohl kein anderer deutschsprachiger Medizin-Podcast hat, gelegentlich mit Korrekturen. Dann die Zusammenfassung, noch einmal ein guter Tag; das Transkript machen andere. Und für Streit- oder Diskussionsrunden gehen auch mal anderthalb bis zwei Wochen Arbeit im Vorfeld drauf.

Rein fiskalisch betrachtet machen wir das EvidenzUpdate nach wie vor ehrenamtlich, wir beide verdienen damit keinen Euro, obwohl es für einen von uns mittlerweile zeitlich ein Hauptamt ist. Die externen Kosten liegen bei einem fünfstelligen Betrag im Jahr. Den immerhin, das ist die gute Nachricht, können wir seit diesem Jahr decken.

Unsere Partner

Tragen können wir das dank vier Partnern: der DEGAM als Gründungspartnerin, die von Anfang an dabei war, der Kirinus Health, einer Gesundheitsgruppe aus Bayern, der Videoclinic, zu der der Professor eine Affiliation hat, und dem aQua-Institut aus Göttingen. Ohne die Unterstützung durch die vier und die Unterstützer-Abos von euch wäre das EvidenzUpdate schlicht nicht möglich.

Weitere Supporter sind uns herzlich willkommen, jedoch mit klaren Grenzen: allenfalls „grüne“ Unterstützer, also nur, wer auch auf einem DEGAM-Kongress einen Stand haben dürfte. Nichts Industrielles und nichts, was sich in der Praxis verordnen lässt. Gelingt der Ausbau, gibt es irgendwann auch den festen Turnus. Erst aber räumen wir den Haufen (siehe oben) weg, den uns andere eben hingeworfen haben.

Was das alles für euch heißt

  1. Wer uns hier kostenfrei oder kostenpflichtig abonniert hat, muss nichts tun. Wir kümmern uns darum, dass alles sicher auf die neue Plattform umzieht.

  2. Wer uns neu unterstützen will: bitte erst, wenn die neue Plattform läuft. Wir sagen Bescheid. Sonst landet ihr in der Substack-Mühle, und das wollen wir euch ersparen.

  3. Bis Jahresende können Episoden leider nur unregelmäßig erscheinen. In petto haben wir noch die ESC-Kracher. Dann vielleicht doch ein, zwei kurze Folgen über die AHA-Tagung sowie eine Folge zu Long COVID, die auch schon im Kasten ist.

Drückt uns die Daumen für die eigene und vor allem unabhängige Plattform. Danke fürs Dabeibleiben!

Ahoi!

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