8 Kommentare
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Avatar von Adrian Angelescu

Sehr geehrter Herr Prof. Scherer,

mein Name ist Dr. Adrian Angelescu, ich bin hausärztlich niedergelassen in Chemnitz.

Ich möchte Ihnen einen Themenvorschlag für eine zukünftige EvidenzUpdate-Episode machen: Disease-Management-Programme (DMP) in Deutschland – Entstehung, Evidenzlage, Kosten und Fehlanreize.

Aus meiner Sicht sind vor allem folgende Punkte relevant, insbesondere für angehende Hausärztinnen und Hausärzte:

• Historie und politische Zielsetzung der DMP

• Evidenz zu harten Endpunkten (Mortalität, Hospitalisationen, Komplikationen) im deutschen Kontext

• Rolle der DMP im Morbi-RSA, finanzielle Anreize für Krankenkassen und Praxen

• Problematik der Fehleinschreibungen (z. B. Patienten im Diabetes-DMP ohne gesicherte Diabetesdiagnose) und deren Auswirkungen auf Statistik, Versorgungsqualität und Ressourcenbindung

• Abwägung: klinischer Nutzen vs. Dokumentations- und Strukturaufwand im hausärztlichen Alltag

Im hausärztlichen Alltag entsteht zunehmend der Eindruck, dass DMP zum Teil eher als Steuerungs- und Finanzierungsinstrument fungieren, während der individuelle Nutzen für Patientinnen und Patienten nicht immer klar erkennbar ist. Eine nüchterne, evidenzbasierte Einordnung im Rahmen Ihres Podcasts wäre für viele Kolleginnen und Kollegen hilfreich.

Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre kontinuierliche Arbeit im Bereich evidenzbasierter Hausarztmedizin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Adrian Angelescu

Facharzt für Allgemeinmedizin

Straße der Nationen 58

09111 Chemnitz

Telefon: 0371 33434479

E-Mail: info@hausarzt-angelescu.de

Avatar von Veit-Simon Eckle

Herzlichen Dank für Ihren Podcast! Leider fehlt mir bei der Besprechung der OCEAN Study eine Erklärung, warum hier nicht der "Goldstandard" vs. ASS verglichen wurde: Der "Goldstandard" ist meines Wissens nach immer noch Rivaroxaban 20 mg (N Engl J Med. 2011 Sep 8;365(10):883-91) und nicht 15 mg - wie hier in dieser Studie gewählt wurde. Das ist bestimmt kein Zufall oder Versehen.

Avatar von Denis Nößler

Merci für das Feedback! Laut Fachinfo ist die Dosierung in OCEAN eigentlich sehr in-label: "Zur Prophylaxe von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern beträgt die empfohlene Dosis 15 mg einmal täglich." (https://www.fachinfo.de/fi/detail/13453/Xarelto-R-15-mg-Filmtabletten). So oder so ist die 15mg-Dosierung in OCEAN und dem höherem Blutungsrisiko eher als Sicherheitssignal zu verstehen, oder?

P.S.: Und bei der VTE-Prophylaxe bspw. würde das unter den DOAK Apixaban als deutlich günstiger bewerten.

Avatar von Veit-Simon Eckle

Gerne die Fachinfo lesen: Die Dosierung ist schon immer 20 mg und nicht 15 mg 🧐

Avatar von Denis Nößler

Autsch! Asche auf mein Haupt! Natürlich habe ich da Quark zitiert: Die 15mg beziehen sich auf KG 30–50kg oder KrCl unter 49 ml/min. Pardon!

Noch ein Wort aus OCEAN dazu: Die Autoren begründen die 15mg damit, dass diese Dosis "ähnliche pharmakokinetische Eigenschaften" habe wie bei 20mg, "aber mit einem niedrigeren Blutungsrisiko" (Seite 3 im Paper, 1. Absatz unter "Interventions"). Sie zitieren außerdem die Studien AFIRE, PIONEER AF-PCI, NAVIGATE ESUS, BRAIN-AF und J-ROCKET AF, in denen Rivaroxaban jeweils mit 15mg 1× tgl. zum Einsatz kam.

Mit anderen Worten: Sie wollten per Studiendesign offenbar das Blutungsrisiko im Verum-Arm verringern, was ihnen aber nicht gelungen ist.

Avatar von Veit-Simon Eckle

Bayer hat 2021 ein "Dosierungspatent" für die 1 x tägliche Einnahme von 10 mg, 15 mg und 20 mg Rivaroxaban beantragt. Das Bundespatentamt hat das "Dosierungspatent" am 29.07.2025 für nichtig erklärt (Info aus arznei-telegramm).

Vermutlich wollte Bayer für die niedrigere Dosierung passende Daten liefern, in der Annahme, dass das "Dosierungspatent" Bestand hält.

Avatar von Thomas Maibaum

zwei Dinge zu dem "alten Scheiß" Repatha ( nun auch noch in der primär Prävention):

1. bin ich werbetechnisch durchaus beeindruckt über den Namen der Studie: Andreas Vesal(ius) als Begründer der Anatomie der Neuzeit. Übersetzt: "nur mit Repatha ist man auf dem Stand der Zeit in der modernen Cholesterol Therapie."

2. Einige Dinge sind trotzdem auffällig: es sind tatsächlich Hochrisiko Patientinnen gewesen, die selbst aus DEGAM Sicht suboptimal eingestellt waren ( 1/6 kein Statin, 1/3 nur niedrige Dosis, nur 1/5 Ezitimib (zumindest bei diesen LDL Werten und>50% KHK, würde ich dies vor PCSK 9 geben), sind US Daten 1:1 auf Europa übertragbar?

Avatar von Denis Nößler

Danke für die wichtigen Punkte! Zur VESALIUS-CV-Zusammensetzung: Die hat in 33 Ländern stattgefunden, aus D kamen 209 Probanden, aus NL bspw. 750, PL 785, aus den USA 1069). Das ist schon eine international gemischte Kohorte. Dass ⅓ nur auf low-dose Statin war, lässt sich in den Baselines aber nicht nachvollziehen: danach waren es in beiden Armen jeweils 19%, die "Moderate- or low-intensity statin" hatten.